Nicht wegsehen, eingreifen: Inklusion und Sozialstaat sind Demokratie in der Praxis

Zum Welttag der sozialen Gerechtigkeit macht Evelyn Schötz klar: Ungerechtigkeit ist nicht „Pech“ – sie ist in vielen Fällen politisch gemacht oder politisch geduldet. Wer in Armut aufwächst, wer krank wird, wer mit Behinderung lebt oder nach einer Flucht hier Schutz sucht, spürt oft als Erstes nicht Unterstützung, sondern Hürden: zu kompliziert, zu teuer, zu weit weg, nicht zugänglich.

„So darf Demokratie nicht wirken“, sagt Schötz. „Inklusion heißt: Wir bauen die Barrieren ab – in Schulen, Behörden, Betrieben, im Nahverkehr, in der Sprache, in den digitalen Angeboten. Und wir sorgen dafür, dass Hilfe ankommt, bevor aus einem Problem ein Absturz wird.“ Der diesjährige Schwerpunkt des Welttags betont genau diese Verbindung: sozialer Schutz und gute Arbeit müssen zusammengedacht werden.                                                                                                         
„Wenn wir wollen, dass Menschen nicht zermürbt werden, dann reicht es nicht, ihnen zu erklären, sie müssten sich nur mehr anstrengen“, so Schötz. „Dann müssen wir an die Verhältnisse ran: an miese Löhne, unsichere Jobs, steigende Mieten, kaputtgesparte Kommunen – und an eine Politik, die von oben herab viel zu oft durchwinkt, was unten weh tut.“ Schötz fordert einen Sozialstaat, der Sicherheit gibt, ohne zu demütigen, und eine Arbeitswelt, in der Tarifbindung, Mitbestimmung und Schutzrechte selbstverständlich sind. „Und ja: Das kostet Geld – aber es ist eine Frage der Prioritäten. Wenn Milliardenvermögen wachsen und Konzerne Rekorde feiern, dann ist genug da für barrierefreie öffentliche Angebote, armutsfeste Absicherung, gute Pflege, gute Kitas, gute Schulen. Soziale Gerechtigkeit ist kein „Nice-to-have“ – sie ist die Grundfeste einer demokratischen Gesellschaft: Niemand wird abgeschrieben. Jede:r gehört dazu.“