Evelyn Schötz, MdB: „Wer krank ist, soll nicht auch noch um Hilfe kämpfen müssen“

Zum Tag der Patient:innen mahnt Evelyn Schötz (Die Linke), MdB, eine konsequente Rückbesinnung auf Patient:innenorientierung an:

„Zu viele Menschen erleben ein Gesundheitssystem, das sich zuerst an Zuständigkeiten und Budgets orientiert – und erst danach am Menschen. Wer krank ist, braucht Unterstützung, keine zusätzlichen Hürden.“

Behandlungsfehler: Aufklärung darf kein Hindernislauf sein

Schötz betont: „Wenn etwas schiefgeht, dürfen Betroffene nicht im Regen stehen.“ Der Medizinische Dienst hat 2024 bundesweit 12.304 Gutachten zu vermuteten Behandlungsfehlern erstellt. In 3.301 Fällen wurde ein Fehler mit Schaden festgestellt, in 2.825 Fällen war der Fehler ursächlich für den Schaden.¹
„Diese Zahlen zeigen: Behandlungsfehler sind kein Randproblem. Trotzdem ist der Weg zu Akteneinsicht, Aufklärung und Entschädigung für viele ein Marathon.“ Schötz fordert daher leichteren Zugang zu Behandlungsunterlagen, fairere Beweislastregeln und schnellere, patient:innenfreundliche Verfahren.

ePA: Digitalisierung muss Patient:innen dienen – nicht überfordern

Auch bei der Digitalisierung sieht Schötz Nachholbedarf: „Digitalisierung ist nur dann Fortschritt, wenn sie den Alltag von Patient:innen wirklich leichter macht.“ Seit 1. Oktober 2025 sind Leistungserbringer verpflichtet, die elektronische Patient:innenakte (ePA) zu nutzen und mit festgelegten Daten zu befüllen.²
Schötz warnt: „Eine ePA, die Menschen überfordert oder intransparent ist, stärkt nicht die Patient:innen – sie verunsichert sie.“ Deshalb müsse die ePA verständlich, barrierefrei und sicher sein und Patient:innen müssten klar und einfach steuern können, wer auf welche Daten zugreift.

UPD: Unabhängige Beratung muss erreichbar sein

Gerade wenn es Konflikte mit Krankenkassen oder Unsicherheit über Rechte gibt, brauche es eine starke unabhängige Beratung. „Wer krank ist, darf nicht auch noch Expert:in im Sozialrecht werden müssen“, so Schötz.
Laut Deutschem Ärzteblatt hat die Stiftung Unabhängige Patient:innenberatung Deutschland (UPD) von Mai 2024 bis Mai 2025 rund 40.000 Menschen beraten – im früheren Modell waren es 2022 noch etwa 124.000 Beratungen.³
Schötz erklärt: „Wenn unabhängige Beratung kaum erreichbar ist, verlieren Patient:innen Zeit, Geld und oft auch Vertrauen. Die UPD muss so ausgestattet werden, dass sie wieder flächendeckend hilft – mit ausreichend Personal, guter Erreichbarkeit und echter Unabhängigkeit.“

Abschließend fasst Schötz zusammen:
„Patient:innen sind keine Bittsteller:innen. Ein gutes Gesundheitssystem erkennt man daran, dass man sich darin als Patient:in nicht verloren fühlt – sondern ernst genommen, geschützt und unterstützt.“

Quellen:
Medizinischer Dienst (2025): Behandlungsfehler-Statistik 2024 / Meldung zur Patient:innensicherheit. (Abruf: 26.01.2026) 
Ärzteblatt
Bundesministerium für Gesundheit (BMG): Elektronische Patientenakte (ePA) – ePA für alle, Zeitplan/Verpflichtungen, inkl. Nutzungspflicht ab 01.10.2025. (Abruf: 26.01.2026) 
patientenberatung.de
Deutsches Ärzteblatt (2025): Beratungszahlen der Stiftung UPD deutlich abgesackt (Mai 2024–Mai 2025; Vergleich 2022). (Abruf: 26.01.2026) 
recht.bund.de