Evelyn Schötz (MdB, Die Linke): „Hitzeschutz muss Pflichtaufgabe werden – nicht PR-Maßnahme“
Zur aktuellen Hitzewelle erklärt Evelyn Schötz, Mitglied im Gesundheitsausschuss und gelernte Fachkraft für Altenpflege: „Als ausgebildete Altenpflegerin habe ich selbst erlebt, wie dramatisch sich extreme Hitze auf die Gesundheit älterer und pflegebedürftiger Menschen auswirkt. In der Praxis heißt das: Mehr Kreislaufzusammenbrüche, Austrocknung und Verschlechterungen chronischer Erkrankungen. Die körperlichen Belastungen für Pflegekräfte und Pflegende zuhause steigen enorm. Trotz dieser alarmierenden Situation fehlt es bundesweit an verbindlichen Hitzeschutzmaßnahmen – das ist eine Katastrophe.
Dabei ist zu beachten: Hitze trifft arme Menschen doppelt: Sie wohnen in städtischen Wärmeinseln und schlecht gedämmten Häusern ohne Klimaanlagen, haben kaum Möglichkeiten, sich abzukühlen, und sind gesundheitlich oft vorbelastet. Das zeigt: Hitzeschutz ist nicht nur Gesundheits- und Klimapolitik, sondern auch eine Frage der sozialen Gerechtigkeit.“
Schötz fordert gezielte Investitionen in hitzeresiliente Wohn- und Lebensräume sowie eine systematische Vorbereitung der Gesundheits- und Pflegeversorgung auf zunehmende
Extremwetterlagen: „Wir können nicht länger warten, denn Hitzeschutz muss mehr sein als eine politische Absichtserklärung. Die Versorgung von Menschen mit chronischen Erkrankungen, psychischen Belastungen und in der Pflege muss verbindlich auf Hitzeereignisse vorbereitet werden – in Pflegeheimen genauso wie in der ambulanten Versorgung.“
Die jüngsten wissenschaftlichen Erkenntnisse des Centre for Planetary Health Policy (CPHP) zeigen:Deutschland mangelt es an klaren politischen Zuständigkeiten, an strategischer Koordination, an verlässlicher Finanzierung und an systematischem Monitoring der Gesundheitsfolgen von Hitze. Die bestehenden Strukturen sind fragmentiert und unzureichend.
„Wir brauchen endlich einen nationalen, verbindlichen Strategieprozess zu Gesundheit und Klimawandel – mit klarer Finanzierung, Zuständigkeiten und Beteiligung von Wissenschaft, Fachkräften und Zivilgesellschaft. Hier ist die Regierung gefragt, endlich Fakten zu schaffen. Das ist kein Luxus, sondern Voraussetzung dafür, dass unser Gesundheitssystem der Klimakrise standhält. Hitze ist keine Randnotiz – sie ist eine tödliche Bedrohung für Millionen Menschen. Wer das Thema weiter aufschiebt, setzt Leben aufs Spiel. Als Pflegekraft habe ich für den Schutz dieser Menschen gekämpft – als Abgeordnete tue ich es jetzt politisch“, so Schötz.
Die Forderungen der Linken:
• Ein bundeseinheitliches Hitzeschutzgesetz, das verbindliche Standards für Gesundheits- und Pflegeeinrichtungen sowie die ambulante Versorgung schafft - inklusive baulicher Maßnahmen, Schulungen und ausreichender Personalausstattung.
• Beratung zur Klimaresilienz für die Bevölkerung, um medizinische Anpassungen und Schutzmaßnahmen niedrigschwellig zugänglich zu machen.
• Kommunale Förderprogramme für hitzeresiliente öffentliche Räume und Wohnquartiere – vor allem in sozial benachteiligten Quartieren.
• Berücksichtigung psychischer Gesundheitsrisiken als Teil eines ganzheitlichen Hitzeschutzes

